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PREIS

forum Stipendium 2022

für Esther Strauß

Auch heuer wurde das seit 2004 bestehende und mit 10.000,- Euro dotierte forum Stipendium, diesmal gesponsert von der Linz AG, vergeben.
Einreichen konnten wie jedes Jahr Mitglieder des forum – Kunstuniversität Linz, die ein Studium an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen haben.


Die Jury – bestehend aus Lilli Hollein (Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des MAK, Wien), Angela Stief (Chefkuratorin für Kunst der Gegenwart sowie zur Direktorin der ALBERTINA MODERN, Wien) und Katharina Ritter (Programmkoordinatorin und Kuratorin des AZW, Architekturzentrum Wien) - entschied sich aus 22 eingereichten Vorhaben heuer für das Projekt Schenkung schreibt Geschichte von Esther Strauß.  

Herzliche Gratulation!


Juryentscheidung
Das Projekt Schenkung schreibt Geschichte von Esther Strauß hat eine ungebrochene gesellschaftspolitische Aktualität, das Fragen zwischen der Aufarbeitung der NS Geschichte und der persönlichen Erinnerungskultur abseits musealer Sammlungsaufgaben und institutioneller Tätigkeitsbereiche stellt.
Die Künstlerin hat die Jury aufgrund der präzisen und konsequenten künstlerischen Haltung hinsichtlich vergangener Projekte im Spannungsfeld zwischen Intimität und Öffentlichkeit, Politik und Poesie überzeugt.  


Projektvorhaben
Schenkung schreibt Geschichte


Um den politisch und juristisch problematischen Devotionalienhandel nicht zu unterstützen, haben sich in Österreich viele öffentliche Sammlungen dafür entschieden, NS-Objekte grundsätzlich nicht anzukaufen. So ist vielerorts die einzigartige Situation entstanden, dass die Sammlungsbestände zur NS-Zeit nicht von wissenschaftlichem Fachpersonal erweitert werden, sondern durch Schenkungen aus der Bevölkerung wachsen. Wird die Praxis der Schenkung als partizipative und kollektive Form der Geschichtsschreibung ernst genommen, bietet sie besondere Möglichkeiten der Erinnerungsarbeit an der Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum. In dem Projekt "Schenkung schreibt Geschichte" wird die Performativität der Schenkung in Bezug auf die Aufarbeitung der NS-Geschichte von Familien untersucht.
Was bedeutet es, ein privates Objekt zu verschenken und damit ein Stück politische Familiengeschichte öffentlich zu machen? Wenn ein Objekt die Besitzerin / den Besitzer wechselt, welche Geheimnisse werden mit ihm weitergegeben, welche behalten? Wem gehört die Geschichte, die mit einem Objekt verbunden ist, nach einer Schenkung und wer übernimmt in welcher Weise Verantwortung für sie?
Schenkung schreibt Geschichte denkt den ersten tirolweiten Sammlungsaufruf für NS-Objekte weiter und öffnet einen Begegnungsraum, der die Komplexität der Praxis der Schenkung in der Aufarbeitung der NS-Geschichte sichtbar mach.

Mag.art. Mag.art Esther Strauß (* 1986) ist Performance- und Sprachkünstlerin.
Von 2005 bis 2011 studierte sie an den Kunstuniversitäten Linz und Bristol, Abschluss mit Diplomen in Performance und Kulturwissenschaften. Seitdem fanden zahlreiche Ausstellungen, Performances und Labore unter anderem im Sigmund Freud Museum London, Perdu Amsterdam, Fabbrica del Vapore Mailand, Taxispalais Innsbruck, La Marelle Marseille statt. Sie erhielt bereits einige Preise, darunter das BMKOES Staatsstipendium 2021, der Theodor Körner Preis 2020 und der Paul Flora Preis 2022. Seit 2015 lehrt Strauß Sprachkunst an der Kunstuniversität Linz. Die Künstlerin lebt und forscht in Wien, Linz, London, den Bergen, im Gehen.

www.estherstrauss.info

 

 

© Esther Strauß 2022 (TLM)

Vizerektroin Gitti Vasicek, Rektorin Brigitte Hütter, Preisträgerin Esther Strauß, Vorstandsmitglied des forum Katharina Kloibhofer; © Mark Sengstbratl