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VORTRAG

Atelier de Recherche für transkulturelle-relationale Methoden

2. Juni 2022, 12.30 bis 18.00 Uhr Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6, 5. OG, Hörsaal C, 4020 Linz

Gäste: Laila Huber, Marianne Lechner und Nicolás Rueda Blanco

Eine Veranstaltung der Abteilung künstlerische Wissenspraktiken am Institut für bildende Kunst und Kulturwissenschaften.

Welcher ist der Forschungsgegenstand und wie stehen wir, die Forschenden mit diesem in Verbindung? Aus welcher Beobachtungsperspektive findet die Forschung statt?

In den wissenschaftlichen und künstlerischen Disziplinen werden immer mehr Methoden verwendet, die auf die Verflechtungen zwischen dem Forschenden und dem Erforschten oder zwischen der Beobachtungsebene (Mikro-Makro) und der Beziehungen zum Gegenstand (Nähe-Distanz) aufmerksam machen. Tradierte Dichotomien werden in Frage gestellt und neue Strategien entwickelt, um die Relationen zwischen den vermeintlich getrennten Ebenen aufzudecken.

Ziel der Methodenwerkstatt ist es, uns mit verschiedenen relationalen Ansätzen aus unterschiedlichen Disziplinen zu befassen, welche die Dingwelt in ihre Forschung integrieren und die Verflechtung zwischen Mikro/Makro oder Nähe/Distanz thematisieren. In wie weit befähigen uns diese relationalen Ansätze, unsere Position in der Welt neu zu überdenken? Wie verhalten sich die Dinge im öffentlichen Raum zueinander? Wie können Städte, Räume oder Dinge als Agenten verstanden werden, die aktiv die Art und Weise beeinflussen, wie wir uns zu anderen menschlichen und nicht menschlichen Wesen verhalten? Und welche methodische Expertise bieten Alltagspraktiken und außereuropäische Epistemologien? 

Wir werden mit drei Positionen arbeiten: aus der Perspektive der relationalen Ethnographie mit Laila Huber, der bzw. den Indigenen Epistemologie(n) von Nicolás Rueda-Blanco und mit einem objektorientierten Ansatz zur Relationalität in der Designforschung von Marianne Lechner.

Veranstalterinnen: Univ. Prof. Dr. Amalia Barboza, Univ. Ass., MA Mariel Rodríguez


Teilnahme vor Ort mit Anmeldung möglich: mariel.rodriguez@ufg.at
Beachten Sie bitte die aktuell geltenden Zutrittsbedingungen: kunstuni-linz.at

 

Laila Huber

Stadt, Raum und Kultur relational denken?

Die Wahrnehmung und Reflexion von Stadt als gebauter, sozialer und imaginierter Raum stehen im Zentrum dieses Workshops. Uns interessiert die Stadt als alltäglicher Handlungsraum, als Phänomen sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung sowie als Themen- und Handlungsfeld künstlerischer Praxis. Was können wir über einen Platz in der Stadt erfahren? Wie können wir ihn in seiner sozialen Komplexität lesen lernen? Was sagt uns ein konkreter Stadtraum über das Zusammenleben einer Gesellschaft? 

Anhand eines Lehrforschungsprojektes an der Schnittstelle Kulturanthropologie, Architektur und Kunst werden Methoden einer transdisziplinären Stadtforschung vorgestellt und in einer Praxisübung die Methoden Détour/Gehen, Selbstreflexion und Kulturanalyse erprobt und reflektiert. 

Laila Huber forscht in den Bereichen kritische Kultur- und Bildungsarbeit, Qualitative Sozialforschung und Kulturanthropologie. Ihre neueste Monographie ist „Kreativität und Teilhabe in der Stadt. Initiativen zwischen Kunst und Politik in Salzburg" (transcript Verlag 2018).

 

Marianne Lechner

What do you need, my thingaling?

Zukünftig leben wir in kollaborativen Netzwerken mit unterschiedlichen (Ding-)Entitäten zusammen. Dieses Szenario beschreibt eine posthumane Welt, in der sich auch das Design nicht nur an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern berücksichtigt Wünsche und Bedürfnisse der non-humanen Welt. Diese Entitäten sind Teil unseres sozialen Lebens, sie sind oftmals digital, verkörpert, sozial und auch emotional. Als Interaktionsdesigner:innen erforschen wir, wie wir mit Dingen kommunizieren, hierbei sind Emotionen ein zentraler Bestandteil der HCI (Human-Computer Interaction). Doch welche Emotionen dürfen unsere Dinge zeigen?

Innerhalb eines „more-than-human Frameworks“ (Giaccardi & Redström, 2020)  nutzen wir ding-zentrierte Methoden, die es uns ermöglichen, die Beziehung zwischen Human und Nonhuman neu zu überdenken. Welche Beziehungen werden wir zukünftig zu unseren Dingen haben? Wir machen uns auf die Suche nach den Bedürfnissen unserer Dinge, beschreiben diese in Form von Dingpersonas und geben ihnen eine Stimme, um sich zu artikulieren. In Form von Rollenspielen untersuchen wir die soziotechnischen Verflechtungen unterschiedlicher Mensch-Ding-Verflechtungen und erspüren die viszeral-atmosphärische Kommunikation zwischen Dingen und Menschen in „more than human-centred Welten“ (Wakkary, 2021).

Marianne Lechner ist Expertin für User Experience (UX) und User Interface (UI) Design. Sie un­terrichtet als Assistenzprofessorin in der Abteilung Visuelle Kommunikation der Kunstuniversität Linz. In den letzten Jahren lag ihr Schwerpunkt auf der Kommunikation zwischen Menschen und dem Internet der Dinge (IoT).

Giaccardi, E., & Redström, J. (2020). Technology and More-Than-Human Design. Design Issues, 36(4), 33–44.

Wakkary, R. (2021). Things We Could Design: For More Than Human-Centered Worlds. In Things We Could Design. Massachusetts Institute of Technology.

 

Nicolas Rueda Blanco

„The History of Humankind in other words“ >/p>

Ein Projekt des UNESCO Philosophy and Humanities Program - Montevideo Office und CLACSO - Latinamerican Council for Social Sciences, 2018-2022.

Die Geschichte der Menschheit bildet eine Achse, um die sich verschiedene Narrative drehen. Diese Narrative, die die Pluralität sowohl der historischen Räume als auch der anthropologischen Zeiten widerspiegeln, problematisieren nicht nur die hegemonialen Versionen dieser Geschichte (in Bezug auf Periodisierung, relevante Fakten und zugrunde liegende Annahmen), sondern bieten auch Schlüssel für eine kritische Lektüre der Gegenwart. Das Potenzial dieser hermeneutischen Ressourcen, neue Lesarten der Vergangenheit und der Zukunft zu artikulieren, ermutigte einige Forscher der CLACSO-Arbeitsgruppe für politische Philosophie, mit Unterstützung des UNESCO-Programms für Philosophie und Geisteswissenschaften (Büro Montevideo) im Jahr 2017 ein Symposium zum Thema "Kulturelle Identität, Vielfalt und gutes Leben: neue ethisch-politische Rahmen" während der UNESCO World Humanities Conference (Lüttich, Belgien) zu organisieren.

Das Projekt stellt einen zweiten Schritt zur Förderung einer stärkeren Anerkennung verschiedener Formen indigenen Wissens dar, insbesondere zur globalen Geschichte der Menschheit, für die sich der "Internationale Rat für Philosophie und Humanwissenschaften" und die UNESCO eingesetzt haben. Das Projekt soll dazu beitragen, die Anerkennung des indigenen Wissens zu verwirklichen, das für die Formulierung von Antworten der Geisteswissenschaften auf die zahlreichen Probleme unserer Zeit von grundlegender Bedeutung ist. Wir werden diese Überlegungen als Ausgangspunkt nehmen, um räumliche Vorstellungen von Raum und Zeit zu überdenken und eine offene Diskussion über die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Erinnerung zu führen.

Nicolás Rueda Blanco (1995) ist MA in Fine Arts bei der Nationalen Universität von Kolumbien und derzeit Masterstudent des Textil.kunst.design Programms an der Kunstuniversität Linz. Seine Arbeit befasst sich mit Themen der territorialen Entwicklung in Kolumbien und derzeit mit der Entwicklung alter textiler Ausdrucksformen verschiedener Kulturen.