Tagung: 7. bis 9. Mai 2025; Ausstellung: 30. April bis 9. Mai 2025 Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6, 5. Stock Hörsaal C und D
Tagung vom 7. bis 9. Mai 2025 an der Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6, 5. Stock Hörsaal C und D
Ausstellung vom 30. April bis 9. Mai 2025 an der Kunstuniversität Linz, splace am Hauptplatz
anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus
Eine Kooperation zwischen der Kunstuniversität Linz / Co.Lab Erinnerungsarbeit • ästhetisch-politische Praktiken sowie dem Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim.
Die Tagung beschäftigt sich mit einer Gedenkform, die bislang wenig beachtet und erforscht ist: das Wilde Gedenken. Wildes Gedenken meint ein Gedenken, das weder eingehegt noch institutionalisiert ist. Wildes Gedenken umfasst sowohl Gedenkzeichen von zivilgesellschaftlichen Initiativen und/oder Einzelpersonen als auch Markierungen durch Pflanzen oder in der Landschaft.
Gemeint sind also individuelle Formen des Gedenkens wie das Niederlegen von Blumen, Steinen und Tafeln, mittels derer problematische Orte sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig werden mit dem Wilden Gedenken aber auch Praktiken des Unsichtbar-Machens thematisiert wie ungepflegte oder verwilderte Massengräber oder Orte, die durch Bauschutt- und Müllablagerungen unkenntlich, mit Hecken und Beerensträuchern überpflanzt und damit unzugänglich gemacht werden.
Jenseits dieser durch Menschen gestaltet Orte lassen sich unter dem Wilden Gedenken auch materielle, chemische und physische Reaktionen oder Veränderungen der Wiesen, Flüsse und Wälder fassen, die aufgrund der Tötungen an spezifischen Orten entstehen wie veränderte Wegführungen, veränderter Wuchs oder Färbung von Pflanzen.
Mit der Thematisierung Wilden Gedenkens geht die Möglichkeit einher, auf Personen und Opfergruppen aufmerksam zu machen, die bislang nicht oder kaum in die Erinnerungskultur einbezogen worden sind. Dementsprechend gehen Praktiken Wilden Gedenkens der Gründung von Gedenkstätten vielfach voraus, werden aber auch innerhalb etablierter Gedenkstätten weiterverfolgt. Sind Gedenkstätten erst institutionalisiert, mangelt es aber oft an Raum für diese Ausdrucksweisen. Dass es ein ausgeprägtes Bedürfnis der Besucher:innen gibt, Teil des Gedenkrituals zu sein, zeigt sich daran, dass Blumen, Steine, Gedenktafeln, Fotografien, aber auch Kritzeleien u.ä. an etablierten Gedenkorten wild hinterlassen werden.
Organisationsteam:
Riva Freiseisen, Kunstuniversität Linz
Thari Jungen, Kunstuniversität Linz
Maria Keplinger, Kunstuniversität Linz, DERLA
Sabrina Kern, Kunstuniversität Linz
Angela Koch, Kunstuniversität Linz
Florian Schwanninger, Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim
Kontakt: medienaesthetik@kunstuni-linz.at
Parallel zur Tagung findet die Ausstellung „Wildes Gedenken“ im Splace am Hauptplatz statt. Die Ausstellung basiert auf künstlerisch-theoretischen Auseinandersetzungen mit Orten und Praktiken des Wilden Gedenkens. Darin geben Christoph Meier & Merlin Großmann, Dana Patsch, Felat Diljin Serihan, Lilli Pankotsch, Lisa Rastic, Malenke Kokoska, Morna N. Bodner, Rosina Marie, Theodor Herbst und Walentina Kaja Ammann & Ruth Größwang Einblick in ihre Untersuchungen; Kuratorin ist Thari Jungen.